Kreis fördert Fahrten zu Gedenkstätten des nationalsozialistischen Terrors

Der Besuch einer Gedenkstätte des nationalsozialistischen Terrors gehört zur politischen Bildung und sollte keinem jungen Menschen vorenthalten werden. Deshalb unterstützt der Kreis diese Besuche finanziell.

„In der Wetterau sind Gedenkstättenfahrten in vielen Schulen schon sehr verbreitet“, begrüßt Landrat Joachim Arnold. „Im laufenden Jahr haben mehr als 1.300 Schülerinnen und Schüler an 22 Fahrten eine solche Gedenkstätte besucht. In den meisten Fällen war es die Gedenkstätte des Konzentrationslagers Buchenwald, aber auch Hadamar in Nordhessen war Ziel von Exkursionen Wetterauer Schulklassen.“

Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland forderte gar verpflichtend, dass alle Schüler ab der 9. Klasse eine KZ-Gedenkstätte besuchen sollten. „Theorie und Unterricht sind die eine Sache, das konkrete Erleben vor Ort, die plastische Anschauung die andere“, sagte Schuster in einem Zeitungsinterview.

„Das Thema Holocaust muss in den Schulen präsent bleiben“, findet auch Landrat Joachim Arnold. Gerade vor dem Hintergrund von zunehmendem Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit müsse immer wieder dargestellt werden, welche Folgen ein übersteigerter Nationalismus und die Diskriminierung von Menschen haben könne. „Hier heißt es, den Anfängen zu wehren. Wir dürfen nicht zulassen, dass Gewalt, auch wenn sie nur verbal geäußert wird, wieder gesellschaftsfähig wird. Der Besuch einer Gedenkstätte des nationalsozialistischen Terrors ist meiner Ansicht nach eine Immunisierung gegen rechtes Gedankengut. Wer mit eigenen Augen gesehen hat, wozu Menschen fähig sind, welche Gräueltaten sie verüben können, wenn eine entsprechende Doktrin dahintersteht, der lässt sich nicht mehr so leicht für billige Parolen und einfache Wahrheiten gewinnen.“

 

Die Fahrten von Jugendgruppen und Schulklassen zu Stätten nationalsozialistischen Terrors werden mit einem Drittel der reinen Fahrtkosten durch den Wetteraukreis gefördert. Darüber hinaus gibt es weitere Fördermöglichkeiten, etwa durch die Landeszentrale für politische Bildung. „Die Antragsunterlagen für die Landesförderung werden bei der Beantragung durch uns gleich an die Schulen mitgeschickt“, erläutert Arnold.

Zu den Bedingungen, um in den Genuss des Kreiszuschusses zu kommen, gehört die gründliche Vorbereitung im Unterricht und das Verfassen eines Presseartikels nach der Fahrt, „damit andere von den Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler profitieren können“, so Landrat Arnold.

Besonders beeindruckt zeigte sich Arnold von einer Klassenarbeit des Leistungskurses Geschichte des Georg-Büchner-Gymnasiums in Bad Vilbel. Darin heißt es unter anderem: „Wir betraten die Überreste der von Menschen geschaffenen Hölle: Schornsteine, Zäune, Ruinen, Gaskammern und Lagerhütten sind die letzten stummen Zeugen der Verbrechen, die sich dort ereigneten und welche man sich heute kaum noch vorstellen kann. Zeugnis eines Massenmordes, welcher in seiner Grausamkeit einzigartig ist und ein Mahnmal an die Menschheit darstellt, welches nicht vergessen werden kann und darf.“

Auseinandersetzung mit der SED Diktatur

Neben Gedenkstättenfahrten zu Gedenkstätten des nationalsozialistischen Terrors unterstützt der Wetteraukreises seit dem vergangenen Jahr auch Fahrten zu Stätten der SED-Diktatur mit einem Drittel der reinen Fahrtkosten. Das hat der Kreistag im vergangenen Jahr beschlossen. „2015 wurden zwei Fahrten mit insgesamt 80 Schülerinnen und Schülern zu einer solchen Gedenkstätte durchgeführt. In diesem Jahr war es bislang erst eine Fahrt. Ich würde mir hier auch mehr Interesse wünschen“, so Landrat Arnold.

Weitere Informationen zu Zuschüssen für Gedenkstättenfahrten gibt es bei der Pressestelle des Wetteraukreises: Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailE-Mail, Telefon: 06031/831401.

veröffentlicht am: 10. November 2016