Jugendliche Flüchtlinge werden erfasst

von links: Rezah (15), Hamid (16) und Mohammad (16), Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch und die Leiterin des Fachdienstes Jugendhilfe, Jutta Messerschmidt. Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch ermutigte die jun-gen Leute, noch mehr Deutsch zu sprechen. „Das ist der Schlüssel zur Integration!“

Zur „erkennungsdienstlichen Behandlung“ kamen in der Woche vor Weihnachten rund 200 unbegleitete minderjährige Ausländer, die derzeit in der Wetterau leben. Dabei wurden Fingerabdrücke genommen, Passfotos angefertigt und die persönlichen Daten der jungen Leute aufgenommen. Eigentlich eine Arbeit, die schon vor langer Zeit hätte stattfinden sollen, denn einige der jungen Leute sind schon ein gutes Jahr in der Wetterau.

Ein Problem bei der Erfassung im vergangenen Jahr waren die unterschiedlichen Schreibweisen der Namen. „Es gibt bestimmte Namen im Arabischen“, erklärte Thomas Wittmann vom RP, „die es bei uns so nicht gibt, und sie wurden bei der ersten Erfassung einfach ins Deutsche übersetzt. In England, in Frankreich oder Belgien würde der gleiche Namen völlig anders geschrieben und ausgesprochen werden. Das ist das Problem, das mit der jetzigen erkennungsdienstlichen Behandlung noch einmal aufgelöst werden sollte.“

 Sozialdezernentin Becker-Bösch: „Jungs, die sich kaum von ihren Altersgenossen unterscheiden!“

 Zudem soll sichergestellt werden, wer überhaupt da ist und ob die Betroffenen eventuell andernorts schon einen Antrag auf Asyl gestellt haben, was aber bei den jungen Leuten aus den Wetterauer Einrichtungen nicht der Fall ist. „Überhaupt unterscheiden sich die Jungs kaum von ihren Altersgenossen, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind“, wie Kreisbeigeordnete und Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch im Gespräch feststellte.´

 Hamayoun besucht mit 15 Jahren die Intensivklasse der Henry-Benrath-Schule in Friedberg und kann nach einem Jahr schon ziemlich gut Deutsch. Neben Deutsch als Fremdsprache und Englisch wird Mathematik, Musik und Sport unterrichtet. Naturwissenschaftliche Fächer kommen später, wenn er in die regulären Klassen überwechselt. Das ist für Hamayoun auch wichtig, denn sein großes Ziel ist ein Medizinstudium. Er möchte Arzt werden, gerne auch in seinem Heimatland Afghanistan, wenn es denn die Rahmenbedingungen zulassen würden.

 Auch der 17-jährige Hamed kommt aus Afghanistan. Er besucht die Berufsschule am Gradierwerk in Bad Nauheim. Sein nächstes Ziel ist die Realschulreife. Sie ist nämlich die Voraussetzung für eine Lehre als Zahntechniker. Auf die Frage, wie es in der Schule klappt, antwortet er so schmallippig wie jeder andere 17-Jährige es tun würde: „Geht so!“

Auf die Frage, was sie besonders vermissen, steht als Allererstes der fehlende Kontakt zu ihren Familien. Außerdem müsse man in Deutschland immer warten und auch die Jahreszeiten sind nicht ausgeprägt genug. In Afghanistan ist drei Monate Winter, dann beginnt der Sommer, und darauf könne man sich verlassen. Hier ist es mal kalt und mal warm, mal regnet es und dann wieder nicht“, sagt Hamed und lacht dabei.

 Rezah, Hamid und Mohammad wohnen derzeit in Nidda in einer gemeinsamen Wohngruppe. Rezah ist mit 15 Jahren der Jüngste. Er macht derzeit einen Deutschkurs. Was er einmal werden will, weiß er noch nicht.

 Da ist Hamid schon weiter. Der 16-Jährige spricht schon ganz gut Deutsch, spielt Fußball und möchte später mal Friseur werden. Seinen Freunden in der Wohngruppe schneidet er schon heute die Haare.

 Seinen Deutschkurs hinter sich hat Mohammad. Der 16-Jährige besucht das Berufsvorbereitende Jahr in der Berufsschule in Nidda. Sein Ziel ist es, nach dem Hauptschulabschluss eine Ausbildung als Kfz-Mechatroniker zu machen. Mohammad hat schon zwei Praktika absolviert und ist sich sicher, in der Kfz-Branche genau das Richtige zu finden. Deutschland als Land gefällt den drei Jungs gut. „Wir sind dankbar, hier sein zu dürfen“, so Mohammad.

 Kreisbeigeordnete und Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch hat bei den Gesprächen mit den jungen Leuten festgestellt, wie gut die Integration und die Sprachvermittlung schon funktionieren. „Ich bin positiv überrascht, dass es so schnell mit der Sprachvermittlung geht und freue mich, dass damit die wichtigste Hürde für die Integration in unsere Gesellschaft geschafft ist. Wenn wir diesen jungen Leuten eine Chance geben, dann werden sie manchen Unkenrufen zum Trotz unsere Gesellschaft nicht nur bunter machen, sondern auch wirklich bereichern.“

veröffentlicht am: 22. Dezember 2016