Integration in den Arbeitsmarkt verlangt langen Atem

Kreisbeigeordnete Stephanie Becker Bösch mit dem Geschäftsführer des Jobcenters Wetterau, Bernhard Wiedemann.

Mit einer äußerst positiven Meldung ging dieser Tage die Bundesagentur für Arbeit an die Öffentlichkeit. Noch niemals zuvor haben so viele Menschen in Deutschland Arbeit gefunden und noch niemals zuvor wurden so viele Stunden geleistet. Gleichzeitig aber steigen die Zahlen von Menschen, die auf Sozialleistungen nach SGB II (Hartz IV) angewiesen sind.

Der Arbeitsmarkt in Deutschland ist, anders als in vielen anderen Ländern Europas, robust. Für dieses und für das nächste Jahr wird die Schaffung weiterer Stellen prognostiziert. Die Zahl der offenen Stellen geht ebenfalls nach oben.

Parallel dazu steigt allerdings die Zahl der Kundinnen und Kunden im Jobcenter. Grund für diese gegenläufige Entwicklung ist die hohe Zahl von Flüchtlingen, die nach Anerkennung ihres Asylantrages jetzt auf den Arbeitsmarkt drängen.

Insgesamt gab es im Dezember 2016 in der Wetterau 8.236 sogenannte Bedarfsgemeinschaften, in der Regel Familien. Das waren rund 330 mehr als im Jahr zuvor.

Die Zahl der Leistungsempfänger stieg gegenüber dem Vorjahr von 14.874 auf 15.506. Von denen sind gut 4.200 im nicht erwerbsfähigen Alter, so dass die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsbezieher Ende 2016 bei 11.200 lag.

Die Zahl von Männern und Frauen ist in etwa gleich hoch. Allerdings ist die Zunahme der Erwerbsfähigen ausschließlich auf Männer zurückzuführen, und hier ist es vor allem die Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen, die eine erhebliche Zunahme aufweist.

Parallel dazu ist auch die Entwicklung der erwerbsfähigen Hartz-IV-Bezieher nach Nationalität zu sehen. Während die Zahl der deutschen Leistungsempfänger um 260 zurückging, ist die Zahl der Nichtdeutschen um mehr als 500 im Geltungsbereich des Jobcenters Wetterau gestiegen. Prognose: Die Zahl der Leistungsempfänger wird weiter steigen.

Bernhard Wiedemann, Geschäftsführer des Jobcenters Wetterau, geht trotz des robusten Arbeitsmarktes von einer weiteren Steigerung der Leistungsbezieher aus. „Wir gehen davon aus, dass bis zum Ende des kommenden Jahres die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsbezieher auf etwa 13.000 von jetzt 11.600 steigen wird.“

Leicht rückläufig wird sich die Zahl der Bezieherinnen und Bezieher mit deutscher Staatsbürgerschaft entwickeln, ähnlich wie bei der Gruppe der sogenannten anderen Nationen, also überwiegend EU-Bürger und Leistungsbezieher aus der Türkei.

Einen kontinuierlichen Anstieg der Bezieherinnen und Bezieher von Sozialleistungen nach dem Sozialgesetzbuch II erwartet Wiedemann bei der Gruppe der anerkannten Asylbewerber. Das sind vor allem Menschen aus den acht Hauptherkunftsländern, das sind Syrien, Pakistan, Eritrea, Somalia, Äthiopien, Irak, Iran und Nigeria. Ihre Zahl wird deutlich nach oben gehen. „Wir rechnen zum Jahresende 2018 mit knapp 3.800 erwerbsfähigen Leistungsbeziehern gegenüber 2.300 Anfang Mai 2017.“

Integration als Marathonlauf

"Die Integration der geflüchteten Menschen liegt mir sehr am Herzen. Aus diesem Grund werden alle Arten von Fördermöglichkeiten je nach Vorbildung des Einzelnen hier konsequent durch das Jobcenter mit Angeboten begleitet", unterstreicht Becker-Bösch. „Die ersten Ergebnisse zeigen auch, dass wir uns hier auf dem richtigen Weg befinden und die Arbeitgeber das Potenzial der Flüchtlinge anerkennen", so Becker-Bösch. Die Wetterauer Sozialdezernentin legt deshalb großen Wert darauf, dass bei dem Budget des Jobcenters der Schwerpunkt eindeutig auf Qualifizierung liegt.

„Wir haben in diesem Jahr rund 5,6 Millionen Euro für Qualifizierungsmaßnahmen vorgesehen“, so die Sozialdezernentin. Das sind rund 26 Prozent oder 1,2 Millionen Euro mehr als im vergangenen Jahr. Insgesamt stehen für Eingliederungshilfen 9,6 Millionen Euro zur Verfügung, eine Steigerung um 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

„Großen Wert legen wir auch auf die Förderung von Langzeitarbeitslosen.“ Hier hat sich der Bund noch einmal besonders engagiert. Das Bundesprogramm zur Förderung von Langzeitarbeitslosen stieg von 307.000 Euro im vergangenen Jahr auf gut 1,4 Millionen Euro in diesem Jahr. „Damit wird auch klar", so die Sozialdezernentin, „dass bei aller Notwendigkeit der Flüchtlingsförderung niemand Einschnitte hinsichtlich der eigenen Fördermöglichkeiten befürchten muss. Flüchtlinge erfahren keine Sonderbehandlung, sondern münden, sobald sie ihren Sprachkurse absolviert haben, in den Regelbetrieb.“

Viele der neuen Leistungsbezieher sind noch nicht reif für den Arbeitsmarkt. Hier müsse sowohl hinsichtlich Sprache als auch beruflicher Qualifikation noch einiges geleistet werden. „Wir haben keinen 100-Meter-Lauf vor uns, sondern einen Marathon. Ich bin aber überzeugt, wenn alle Beteiligten mitwirken, können wir diese Herausforderung meistern“, so Sozialdezernentin Becker-Bösch.

veröffentlicht am: 22. Mai 2017