Gedenkveranstaltung zur Pogromnacht in Büdingen

Die Mitwirkenden der Gedenkveranstaltung zum 78. Jahrestag der Reichspogromnacht in Büdingen

„Zu den dunkelsten Kapiteln deutscher Geschichte gehört der 9. November 1938.“ Kreisbeigeordnete Brigitte Dietz sprach in Vertretung von Landrat Joachim Arnold zur Gedenkveranstaltung anlässlich des 78. Jahrestages der Pogromnacht in Büdingen.

Die Veranstaltung, zu der das Büdinger Bündnis für Demokratie und Vielfalt und der Büdinger Geschichtsvereins eingeladen hatten, war zweigeteilt. Im Hof des Steinernen Hauses wurden die Namen von 32 Büdinger Bürgern jüdischen Glaubens verlesen, die von den Nationalsozialisten ermordet worden.

Im Stadtverordnetensitzungssaal im uralten Rathaus wurde dann die Veranstaltung fortgesetzt. Joachim Cott, Vorsitzender des Büdinger Geschichtsvereins, forderte, dass an die Zerstörung der Synagogen jedes Jahr erinnert werden müsse. Boris Winter vom Büdinger Bündnis für Demokratie und Vielfalt beschrieb das Phänomen, das sich am rechten Rand wieder Kräfte bilden, die das Land spalten.

Beklemmend war der Beitrag von Laura Blumenthal vom Büdinger Kinder- und Jugendbeirat, die Auszüge aus den Gerichtsakten von 1949 über die Ereignisse vom 10. November 1938 in Büdingen verlas.

Bürgermeister Erich Spamer nannte den 9. November einen Tag der Träume und der Albträume deutscher Geschichte. Spamer zog Parallelen zur aktuellen Entwicklung in der Türkei. „Die Welt schweigt, bis die Schergen ihr Werk vollbracht haben. Wir müssen jetzt den Mut haben, uns zu wehren.“

Claus Wilkens, Lehrer am Wolfgang-Ernst-Gymnasium in Büdingen, stellte mit Schülern das Projekt „Augen auf – Rassismus schläft nicht“ vor, das in diesem Jahr mit dem Wetterauer Schulpreis ausgezeichnet wurde. Die offizielle Verleihung findet am 30.November statt. 

Für den Wetteraukreis sprach Kreisbeigeordnete Brigitte Dietz, die den 9. November als Auftakt zum größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte bezeichnete. „Die Nationalsozialisten testeten in der Reichspogromnacht auch, wie weit der Widerstand der nichtjüdischen Bevölkerung gegen das Vorgehen der Juden reichen würde, auch hier in Büdingen. Die Zahl derer, die sich gegen diesen Mob gestellt hat, war denkbar gering. Gerade deshalb ist es so wichtig, dass man die Lehren aus der Geschichte zieht und schon frühzeitig rechtsradikalen, nationalistischen und ausgrenzenden Parolen Widerstand entgegensetzt.“

Die Veranstaltung wurde vom Orchestreon Odeon mit Klezmer-Musik begleitet.

veröffentlicht am: 10. November 2016