Ausstellung über die Kinder von Auschwitz eröffnet

Von links: Neithard Dahlen, Erster Stadtrat Dirk Antkowiak, Oberstufenleiterin Barbara Weigl, Landrat Joachim Arnold und Manfred de Vries mit Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 10 der Augustinerschule bei der Eröffnung der Ausstellung.

Noch bis zum 24. Mai können die Schülerinnen und Schüler der Augustinerschule in Friedberg die Ausstellung „Vergiss Deinen Namen nicht – die Kinder von Auschwitz“ in ihren Räumen besichtigen.

Barbara Weigl (Oberstufenleiterin der Augustinerschule) begrüßte die Gäste in Vertretung von Schulleiter Göbler. „Wir können die Vergangenheit nicht mehr ändern. Deshalb ist es umso wichtiger, dass die schlimme Vergangenheit gegenwärtig bleibt, damit wir für die Zukunft etwas daraus lernen.“

Die Ausstellung ist in den Räumen der Augustinerschule, im Haus des Handwerks zu sehen. Unweit davon, in der Turnhalle der Augustinerschule hatten die letzten Friedberger Juden auf ihren Transport in die Konzentrationslager gewartet.

Landrat Arnold sprach von Verbrechen der Nazis, die man sich gar nicht vorstellen könne. „Deshalb haben wir Deutschen eine besondere Verantwortung und müssen uns mit der Geschichte auseinandersetzen, gerade in einer Zeit, in der Scharfmacher wieder unterwegs sind.“

Arnold erinnerte an seinen eigenen Besuch in der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Auschwitz. „Die Dimension des KZ sprengt jegliche Vorstellung. Die Tatsache, dass man über Boden geht, der durchsetzt ist mit menschlichen Überresten, mit Knochenfragmenten und menschlicher Asche, ist kaum zu ertragen. Willkürlich wurden Menschen millionenfach ermordet. Dass Menschen zu solchen Verbrechen überhaupt in der Lage sind, bedeutet aber auch, dass sich so etwas wiederholen kann. Auch deshalb müssen wir solchen Tendenzen, wo immer sie sich zeigen, kraftvoll entgegentreten.“

Arnold erinnerte an die Zuschüsse des Wetteraukreises für Schulklassen und Jugendgruppen zu Gedenkstätten des nationalsozialistischen Terrors.

Arnold fordert klare Kante gegen rechte Parolen

Friedbergs Erster Stadtrat Dirk Antkowiak sprach im Zusammenhang mit der Ausstellung von dem dunkelsten Flecken der dunklen Geschichte der 30er und 40er Jahre in Deutschland. Die Ausstellung sei wichtig, weil sie Informationen aus erster Hand vermittle. Antkowiak erinnerte an die lange jüdische Geschichte der Kreisstadt, die bis ins Jahr 1488 zurückreicht. Die von den Nazis gesprengte Synagoge gehört genauso wie das glücklicherweise erhalten gebliebene Judenbad zu den wichtigen Punkten einer Führung durch die Stadt.

„Viele glauben, es sei Zeit, das Erinnern hinter sich zu lassen. Aber wenn wir das zulassen, dann kann es wieder kommen.“ Manfred de Vries, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Bad Nauheim, forderte zur Erinnerung auf, auch wenn es noch so schwerfällt. „Die Rattenfänger sind wieder unterwegs und wenn Rechtsradikale an die Macht kommen, dann werden sie wieder Sündenböcke suchen.“

Die Religionen (die christliche, die jüdische und die islamische) müssten gemeinsam die Zukunft gestalten, „und Sie, die jungen Leute, tragen den Schlüssel dazu“, sprach de Vries die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 10 an, die zur Ausstellungseröffnung gekommen waren.

Neithard Dahlen von der Lagergemeinschaft Auschwitz – Freundeskreis der Auschwitzer e.V., dankte für die Möglichkeit, die Ausstellung zu präsentieren und erinnerte an ein historisches Datum, das fast genau auf den Tag 77 Jahre zurückliegt. „Am 16. Mai 1940 wurde der erste Transport, der sogenannte Zigeunertransport, von der SS organisiert. Sozusagen als Testlauf, um zu sehen, wie die verschiedenen Beteiligten reagieren. 1.000 Konzentrationslager, viele davon sehr kleine, gab es in Deutschland. Wir können in Deutschland keinen Meter gehen, ohne auf diese Geschichte zu stoßen“, so Neithard Dahlen.

veröffentlicht am: 15. Mai 2017