Vielfalt Wetterau

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Vielfalt als Grundlage einer lernenden Verwaltung

Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch mit dem Organisationsteam des Diversity Tages. Von links: Mohammad Luqman, Integration Point, Anna-Lena Reuter, Bildungskoordinatorin, Bettina Volz, WIR-Fallmanagerin, Christian Steiper, Josef Bercek, Integrationsbeauftragter, Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch, Nadine Klein, Auszubildende, Tania Chirico, Referentin, Maren Van Severen.

„Für Diversity in der Arbeitswelt“ steht auf der Website des Diversity Tags. „Ziel ist aber nicht nur, die Verwaltung für Diversity zu sensibilisieren, sondern auch die Öffentlichkeit“, sagt Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch. „Und deshalb haben wir zum diesjährigen Diversity Tag nicht nur Kolleginnen und Kollegen, sondern auch Menschen von ‚außen‘ in den Plenarsaal des Kreishauses eingeladen.“

Eine Arbeitsgruppe hatte sich im Vorfeld intensiv mit dem Thema beschäftigt. Und weil die Fähigkeit, gesellschaftliche Diversität anzuerkennen auch ganz wesentlich davon abhängt, in welchem Maß man mit ihr in Berührung kommt, beschäftigten sich verschiedene Stände aus unterschiedlicher Perspektive mit der Vielfalt innerhalb der Verwaltung.

Mehlwurmburger, Sammeltassen und Smartphone

Am Stand „Nachbarn“ erfuhr man, dass die Beschäftigten nicht nur aus der Wetterau, sondern auch aus Frankfurt, dem Main-Kinzig-Kreis, dem Landkreis Gießen und dem Vogelsbergkreis kommen. Am Stand „Ehrenamt“ konnte man seine Freizeitaktivitäten angeben. Sport- oder Gesangsverein waren genauso dabei wie die aktive Mitgliedschaft im Karnevalverein oder der Lokalpolitik. Am Stand „Berufliche Herkunft“ gaben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an, welchen Beruf sie ursprünglich erlernt hatten und welchem sie nun nachgehen. Von der Fachkraft der Systemgastronomie über den Agrarfachwirt bis hin zur studierten Literaturwissenschaftlerin waren Berufe vertreten, die man in einer Kreisverwaltung eher nicht erwartet.

Die Vielfalt der angebauten Lebensmittel quasi vor der Haustür war ein weiteres Thema. Zur Mobilität informierte eine Radfahrkarte über die Fahrtzeiten zwischen den einzelnen Orten an und zeigte, dass sich für den Arbeitsweg auch das Rad eignet. Am Stand „Digitalisierung“ schließlich wurden die Veränderungen, die auf die Verwaltung zukommen werden deutlich. Das Organisationsteam hatte auch die kleinen Details im Blick: Der „Tisch der Generationen“ war mit Kaffee und Kuchen liebevoll gedeckt, und sogar an Geschirr im Stil der Sammeltassen der 1950er Jahre war gedacht. Am Tisch der Generationen stand Renate Klingelhöfer, Vorsitzende des Seniorenbeirats, zum Gespräch bereit. An einem weiteren Tisch lag Papier bereit, um die Sorgen und Ängste zur Diversität aufzuschreiben, denn auch dafür sollte bewusst Raum gegeben werden.

Fit für die Zukunft?

Bei „Fit für die Zukunft. Quiz und Umfrage für Sie mit Ihrem Smartphone“ ging es um Zukunftsthemen, moderiert von der WIR-Fallmanagerin Bettina Volz: Ehrenamtliches Engagement, der Weg zur Arbeit, Mehlwurmburger, die Wetterau im Jahr 2050, eigenes Verhalten in Sachen Nachhaltigkeit oder Smartphone-Abstinenz, das waren einige der Fragen. Nebenbei erfuhr man, dass Neuseeland 1893 das erste Land mit Frauenwahlrecht war und der Satz „Die Jugend achtet das Alter nicht mehr, zeigt ein ungepflegtes Aussehen, keine Lernbereitschaft und ist ablehnend gegenüber Werten“ nicht neu ist, sondern schon auf einer 5000 Jahre alten Tontafel der Sumerer stand. Einer jungen Besucherin machte gerade dieses Quiz besonders viel Spaß. „Wie man die Ergebnisse und Meinungen aller Teilnehmer direkt sehen konnte war toll“, sagte sie.

Ein anderer Besucher weiß jetzt alles über Fledermäuse, denn der NABU hatte neben Infomaterial auch eine begehbare Dunkelkammer mitgebracht, die beim Hindurchgehen ein Gefühl für die Lebenswelt der Fledermäuse gab: „Es wurde klar, dass alles zusammenhängt – die soziale wie auch die ökologische Vielfalt“, so der Besucher.

Maren Van Severen, Organisatorin des Diversity Tags und WIR-Koordinatorin zieht positive Bilanz: „Mit dem Motto ‚Region für alle‘ haben wir uns viel vorgenommen. Uns war es wichtig in verschiedene Richtungen Brücken zu schlagen: Zwischen den großen Zukunftsthemen und vor allem dazu, in den direkten Dialog zu gehen. Es freut mich, dass nicht nur viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kreisverwaltung sondern auch viele Gäste der Region zum Diversity Tag zu Gast waren.“

Wie kann regionale Vielfalt gestaltet werden?

Dieser Frage ging Christian Mappala, Geschäftsführer von third culture movement, in seinem Vortrag nach. Verwaltung und Gesellschaft stehen vor fünf Herausforderungen, so Mappala: Demokratie, Digitalisierung, Demografie, Diversität und Nachhaltigkeit. Weil Veränderungen und Umbrüche nicht vor der Amtsstube haltmachen, müsse überlegt werden, „wie der Auftrag einer öffentlichen Verwaltung, nämlich Stabilität und Verlässlichkeit zu schaffen, Fachlichkeit zu garantieren sowie rechtsstaatliches Handeln sicherzustellen in solch einer Umwelt zu erreichen ist.“

Demokratie, Digitalisierung, Demografie, Diversität und Nachhaltigkeit stehen nicht isoliert, sondern sind miteinander verbunden, dafür brachte Mappala Beispiele. Für Digitalisierung und Demokratie: Die Rolle von Cambridge-Analytica im Wahlkampf von Donald Trump. Für Digitalisierung, Demokratie und demografischen Wandel: Das elfseitige pdf, mit dem die CDU auf das YouTube-Video von Rezo reagierte. „Wer liest das? Wahrscheinlich nicht die Zielgruppe, die sich das Video angeschaut hat“, fragte Mappala. Demografischer Wandel, Demokratie, Nachhaltigkeit: Die Wahlbeteiligung der Europawahl nach Altersgruppen und die Fridays for Future-Bewegung.

Diversity braucht Antidiskriminierung

Die Kehrseite der Medaille Diversity heißt Antidiskriminierung, ist Mappala überzeugt. Immer wenn Menschen ausgeschlossen würden, gelte es inklusive Prozesse und Strukturen zu schaffen. Mappala schlug den Bogen vom Kampf der Minderheiten in den USA gegen Diskriminierung, über die 1968er Bewegung zur Aufhebung der Trennung von Schwarzen und Weißen hin zum Diversity Management das mittlerweile bei 95 Prozent der großen US-Unternehmen Standard sei. In Deutschland gilt seit 2006 das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetzt. Diversity ist Grundlage einer lernenden Organisation, so Mappala.

veröffentlicht am: 31.05.2019

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